musicdance projects
symptod - multimediale performance
lyrik, tanz, visuals, livemusik
presse
...memento mori: bedenke, dass du sterben musst! das zeigte der knochenmann den menschen schon vor jahrhunderten gerne tanzend. und von solchem bild hat sich die ulmer "being:company" inspirieren lassen. "Symptod" heißt ihr stück, das jetzt zweimal im roxy abend-füllend aufgeführt wurde, mit origineller elektronischer musik von Friedemann Dähn (vor allem e-cello) und Friedrich Glorian (guzheng, percussion). schöne melodie und aufschrei, trance und unbequemes. aber nichts nur billig reingesampeltes: loops mit der lebendigkeit der live-aktion - so virulent kann eine tod-performance sein.
Medienkünstler Haegar liefert dazu den virtuosen Bilderfluss, ein flimmern geradezu wie in einer bunten bis schwarzen sekundentod-Welt. Alles zusehen. Beeindruckend: die kerzenartigen Metamorphosen im Kapitel "Der Tod und die Mutter". In der Choreografie von Sheela Raj tanzt Pauline Reibell: hereingetragen anfangs unter Glockengeläut wie eine Skulptur, die sich häutet in die realität.
Claudio di Maglio wiederum führt nicht nur Regie, sondern spricht mit dem Körper, verweigert im "Interview mit dem Tod" stumm jede Antwort. "Ist das ihr Ziel, die Menschheit auszurotten?" Neben aller Kunst irritiert eben auch der banale Alltag. Und omnipräsenter Spielführer ist Udo Eberl. Seine Lyrik rezitiert er selbst, er reimt, spielt E-Gitarre, singt. Pop, ganz meditativ. "Wir haben das Mittelalter inhaliert und die Gegenwart ausgeatmet", besser als Eberl selbst kann man nicht beschreiben, was dieser Abend bietet, der eine vielgestaltige Reflexion über den Tod ist, und zwar eine überkulturelle, überkonfessionelle im 3. Jahrtausend. Pirouetten schlägt Udo Eberl in diesen Totentänzen, wörtliche, wie der alte François Villon: "Kriechst wie Opium in mich hinein, willst in mir und um mich sein, füllst mich mit Leben übervoll, bevor ich lustvoll sterben soll." Auch das. "Verpiss Dich, Tod!", fängt der sehr beklatschte Abend an. Nein, man muss ihn schauen, hören.
Jürgen Kanold, südwest presse ulm
...tatsächlich hat das multimedia-team mächtig gezaubert: sanfte fernöstlich und auch mal orientalisch angehauchte klangwolken samt glockengeläut, kerzenschein und menetekel-schriftzeichen an der diawand verbreiteten friedhofsromantik, dann als kontrapunkt ein fürchterlich tosendes klanggewitter mit schrillen schrägen elektronisch erzeugten tonfolgen und dissonanzen, Udo Eberls immer wieder litaneiartig vorgetragene wollüstige und wüste beschimpfungen des gevatters tod, dazu Pauline Reibells ziemlich verführerischer und gleichzeitig sehr anrührender tänzerischer flirt mit dem treppen-geländer.
diese vierzig-minuten-totentanz-performance war alles in einem: halloween-partystimmung machte sich breit, salzburger jedermann-wehklagen war öfters zu hören, die legendären jazz-und lyrik-seancen der späten fünfziger jahre kamen zurück, hamlets geist schwebte kurz vorbei, Klaus Kinski war nicht weit, und immer wieder dieser böse und hässliche sensenmann, der uns allen ans leder will...
burkhard meier-grolman, südwest presse ulm